Gestern hiess es wieder in so vielen Laendern auf unserem Planeten: "Happy Halloween" oder "Suesses sonst gibts Saures". Hauefig gehen vor allem junge Menschen Party machen und feiern (in velbert beispielsweise im T2). Auch in Swasiland gibt es die ein oder andere Halloweenparty. Aber auf einer solchen war ich gestern nicht.
Vor etwa zwei Wochen verstarb die Frau eines unserer Sozialarbeiter Matthew, welcher auch gleichzeitig ein Hausvater von einem unserer Homes war. Der Tod von ihr macht deutlich, wie schnell sich unserer Leben enden kann, denn vor etwa einen Monat gebar sie ein Kind. Im einen Moment erfaehrt man pures Glueck und im naechsten Augenblick grosses Leid.
Sicherlich ist es traurig, aber was noch trauriger ist, ist, dass Tod in Swasiland hauefig an der Tagesordnung steht. Was jede Woche hoert man von Kindern aus unserer Schule, dass Elternteile oder Geschwister verstorben sind. Von Lehrern hoert man, dass Kinder oder Grosseltern verstorben sind.
Wie aber nehmen Swasis Abschied von ihren Geliebten? Gestern Abend bin ich zusammen mit Anna und Becky (englische Volontaerin, die mittlerweile schon 1 1/2 Jahre hier ist) auf die Beerdigung von der Frau von Matthew gegangen.
Um 21.00 traf sich der MYC Staff und einige der Jungs, die einen Platz auf einem der Autos ergattern konnten, um zur Beerdigung zu fahren. Die Abfahrt war etwas mit Problemen verbunden. Eine der Lehrerinnen von Enjabwleni (der Grundschule) war hoffnungslos betrunken und schrie andauernd herum und das vor einigen ihrer Schueler, welche das Spektakel durchaus belustigend fanden. Nach ein paar Streitgespraechen, welche Jungs denn nun mitduerften und welche nicht, legte sich der Audiopegel und es hiess Abfahrt.
Die Beerdigung, welche vorher eine Nachtvigil hat, erfolgte im Zuhause von Matthew. Als wir endlich um 23.00 Uhr in der "Wilderniss" ankamen, war die Nachtvigil bereits im vollen Gange. Die Leute sassen in einer Art Zelt welches um Matthews Haus gespannt war und sangen, beteten und lauschten den Predigten der sechs Prediger. Zwischendurch stand immereinmal wer auf, um seinen Senf oder wie man hier sagt: "Worte der Ermutigung" den anderen zu offenbaren. Mich haben diese Worte allerdings mehr erschreckt, denn da ich ungefaehr nur 2% von den Predigten verstand, aufgrund meiner Siswati Kenntnisse, erschrak mich das Herumgeschreie mehr, als dass es mich ermuetigte.
Naja so geht es dann weiter durch die Nacht (ich habe zwischendurch versucht auf der Ladeflaeche einer der Pickups zu schlafen). Bis dann um 4.00 Uhr die letzten Worte gesagt werden und viele Menschen anfangen zu Weinen, denn die Reise der Toten findet bald ein Ende und das Ausruhen von ihr, bevor sie fuer immer verschwindet findet ein Ende.
Dann hat sich die gesammte Trauergemeinde von etwa 200 Leuten, die aus Kollegen von Matthew, der Dorfgemeinde oder der Familie bestandt, auf dem Weg zum Firedhof gemacht. Dort erfolgte dann gegen 6.30 Uhr die Besietzung, welche nocheinmal eine Stunde und eine Menge Traenen kostete. Ein paar Frauen erlitten leicht Schwaecheanfaelle. Es war wie es war...Abschied nehmen von einem Menschen. Abschied nehmen fuer immer.
Aber neben diesem traurigen Ereignis gab es auch viele toller Erlebnisse wie etwa einen Besuch in einem Frauengefaengnis, in welchen jungen Gefangenen Orden verliehen worden sind, weil sie bestimmte Ziele erfuellt hatten, oder meinen Versuch ohne Mixe, Waage und Rezept einen Kuchen fuer Herrn Juelich zu backen, welcher allerdings dann den ganzen Tag verschlafen hat, was dazu fuehrte, dass wir trotz grosser Anstrengungen doch kein gemeinsames Kafeetrinken hatten.
Auch die Schule laueft weiter und viele der Kids fangen endlich wieder an sich zu benehmen, so dass es manchmal sogar leise ist in unserem Klassenraum. Freitag haben wir einen Test geschrieben und nur zwei Schueler sind durchgefallen...in Mathe...naja und jetzt scheint sogar wieder die Sonne.
Naechstes Wochenende steigt bei uns im Volontaershaus eine Finnland Party zu der dann die anderen finnischen Volontaere aus Swasiland kommen...ich bin ja schon gespannt wie das wird, ich schaetze wir werden es sehen, spaetestens naechste Woche.
Also und da jetzt sogar wieder die Sonne scheint, verbleibt mir nur zu schreiben: Mir geht es blaendend, wenn auch blaendend muede *gaehhhhhn*
Gute Nacht...oder in Siswati: lale kahle!
Sonntag, 1. November 2009
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