Sonntag, 18. Oktober 2009

Zwei Monate im Land vopn König Mswati III

Zwei Monate bin ich jetzt schon im Königreich Swasiland, ein kleines, aber wunderschönes Land. Ein Land mit Problemen, sei es Armut oder die hohe HIV Rate (43%). Ich arbeite in der bevölkerungsreichsten Stadt Swasilands, Manzini. Nachdem am Anfang nicht ganz klar war, wo ich genau arbeiten werde, hat sich die Routine langsam eingependelt und über diese Routine werde ich nun schreiben...
Es ist Dienstag Morgen, 6.45 Uhr irgendwo aus den Fernen meines Zimmers erklingt „Summer of 69“ aus meinem Handy... mein Wecker. Es ist Zeit zum Aufstehen. Schnell anziehen, Waschen und ein paar Cornflakes gegessen und ich kann in einen neuen Tag starten. Zusammen mit meiner Mitvolontärin Anna, welche aus der Gegend von Trier kommt, machen wir uns auf den Weg zur ersten Station unseres Arbeitstags: „Enjabwleni“. Enjabwleni ist eine Grundschule für alle die Kinder, die älter als zehn Jahre sind und deren Eltern kein Schulgeld aufbringen können, denn bei fast jeder anderen Schule muss ein Schulgeld entrichtet werden, sowie eine Schuluniform angeschafft werden.
7.40 Uhr, die Morgenversammlung beginnt, nach einem Ave Maria, Vater Unser und einer emotionalen Rede des Schuldirektors, weswegen Jungen keine Ohrringe tragen sollten, werden die Schüler in ihre Klassen entlassen. Ich unterrichte zusammen mit einem Lehrer aus Simbabwe in einer Förderklasse. Der besondere Fokus im Unterricht liegt auf Mathe, Englisch und manchmal leider auch ein bisschen auf „laut“ sein. In der Förderklasse sind insgesamt 22 Schüler, eine recht kleine Zahl vor allem im Vergleich zu den regulären Klassen von 40 bis 50 Schüler (Grundschule in Swasiland geht von der ersten bis zur siebten Klasse).
Der Unterricht wird nur von einer halbstündigen Mittagspause unterbrochen, in welcher die Schüler ein freies Mittagessen zur Verfügung gestellt bekommen. Leider gibt es manchmal auch Tage, an denen das Essen nicht für alle 400 Schüler reicht. Das ist vor allem für die Kinder schade, die sonst keine andere Mahlzeit am Tag bekommen, weil das Geld nicht ausreicht, da Elternteile verstorben sind, und so nur wenig Geld in die Haushaltskasse kommt.
Um 12.00 Uhr werden die Schüler aus der Förderklasse in den Nachmittag entlassen. Die anderen Klassen müssen bis 14.00 Uhr bleiben, aber man möchte die Kinder in der Förderklasse motivieren überhaupt zur Schule zu kommen und wie sagt man so schön: „In der Kürze liegt die Würze“.
Für mich bedeutet 12.00 Uhr ein kurzer Raumwechsel. Ich gehe über das matschige Schulgelände ein paar Räume weiter, und gebe Computerunterricht für die Lehrerin, welche die Lehrer in Enjabwleni ausbildet. Zwar habe ich selber nicht ganz so viel Ahnung von der Materie, aber für die üblichen Office-Anwendungen reicht es aus.
Im Anschluss daran mache ich mich auf den Weg nach Hause. Zwischendurch wird man immer wieder von fremden Menschen angequatscht, worauf man nur mit „Sani Bonani!“ (Hallo ihr!) „unjani?“ (wie geht’s?) oder „anginamali“ (Ich habe kein Geld.) antwortet.
Nach der Mittagspause geht es um 14.00 Uhr weiter im Bosco Jugendzentrum. Zum Jugendzentrum kommen täglich unterschiedlich viele Kinder. Hier haben Straßenkinder die Möglichkeit an provisorischen Kickern, Billiardtischen oder Tischtennisplatten sich auszutoben. Außerdem steht eine größere Sporthalle für Fußball und Basketball zur Verfügung. Desweiteren bieten wir Material für Kunst an, womit wir die Kinder beschäftigen können. Um 15.00 Uhr fängt Dienstags dann in einem anderen Raum ein Film an, wenn ich es denn schaffe den Projektor an den DVD Spieler anzuschließen. Heute gucken wir „Rush Hour 3“, ein Film welcher gut bei den Kindern und Jugendlichen ankommt, weil er mit Komik und Action geladen ist.
Das Jugenzentrum ist sehr wichtig für die Kinder, weil sie so nicht auf der Straße sind und die Freizeitangebote der Straße nicht so verlockend sind (unter Freizeitangebote fasse ich das „Schnüffeln“ von Klebstoff, Rauchen oder Stehlen). Wobei man fairer Weise auch sagen muss, dass viele der Kinder sich schon im frühen Alter auf ehrliche Art und Weise Geld hinzu verdienen, durch den Verkauf von Süßigkeiten, Knabberzeug, Bleistiften oder Ähnlichem.
Wenn dann um kurz nach 17.00 Uhr die Halle geschlossen wird, bricht auch schon bald die Dunkelheit an, was bedeutet, dass man sich auf den Weg nach Hause machen sollte, denn so sicher Swasiland am Tag auch ist, in der Nacht sollte man trotzdem nicht alleine durch die Straßen laufen. Dienstag ist immer ein schöner Tag, weil er kurz ist und Anna und ich nehmen um 18.00 Uhr immer Siswati Unterricht, um die Sprache, welche viele Schnalzer hat, ein bisschen besser zu verstehen zu können. Außerdem ermöglicht es uns beiden besser mit den Kindern und Jugendlichen zu kommunizieren. Deswegen sind wohl auch die besten Siswati Lehrer die Kinder selbst...
Montag und Mittwochabends gehen wir sonst in einige unserer Homes, um den Kindern bei den Hausaufgaben und beim Lernen zu helfen. Das Projekt in dem ich arbeite umfasst 6 Homes, in welchen 134 Jungs von 10 bis 22 leben, die sonst auf der Straße leben müssten. Hier werden sie mit Essen, Kleidung, einem Platz zum Schlafen und einer gewissen Betreuung (seelisch und gesundheitlicher Art) versorgt.

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